Tech & Innovation

Cloudmigration – Erfolgsfaktoren für die Transformation

Ronny Stein

13. Nov. 2025 | 3 min.

Cloud Collaboration Digitale Transformation

Seit über zehn Jahren begleite ich Kundenprojekte im Bereich Collaboration – meist mit Cisco- und Microsoft-Technologien. In dieser Zeit hat sich eines deutlich gezeigt: Die Cloudmigration ist kein rein technisches Thema, sondern eine Mischung aus Strategie, Architektur und Change.

Warum Unternehmen in die Cloud gehen

Unsere Kunden starten häufig mit einer klassischen On-Premises-Telefonanlage – gewachsen über Jahre, mit eigenen Servern, Wartungsverträgen und einer Vielzahl von Nebenlösungen. Meistens ist der Wechsel in die Cloud kein spontaner Entschluss, sondern das Ergebnis mehrerer Überlegungen.

Ein wichtiger Treiber für die Cloud-Migration ist die Reduktion der Rechenzentrumslandschaft. Viele Unternehmen möchten ihre Infrastruktur verschlanken, Wartungsaufwände reduzieren und die Abhängigkeit von physischer Hardware verringern. Gleichzeitig verfolgen viele eine sogenannte Single-Client-Strategie, um Kommunikationstools zentral bereitzustellen und zu verwalten. Auch Lizenzmodelle und Kosten spielen eine große Rolle.

Cisco oder Microsoft – eine technische Entscheidung?

Wenn ich mit Kunden über die passende Plattform spreche, geht es selten nur um Funktionen. Die Entscheidung für den Hersteller ist oft bereits durch die Geschäftsführung vorgeprägt. Manchmal aus Überzeugung, manchmal aus Erfahrung. In der Beratung geht es dann darum, diese Entscheidung zu hinterfragen. Passt sie wirklich zu den Anforderungen, den Prozessen und der vorhandenen Infrastruktur?

Gerade durch die Entkopplung von Microsoft Teams aus den Enterprise Agreements hat sich der Markt verändert. Auf der anderen Seite gibt es Unternehmen, die stark in Cisco investiert haben und diesen Investitionsschutz weiter nutzen möchten. Und nicht zuletzt bleibt das Thema Datenschutz ein entscheidendes Kriterium, das bei beiden Herstellern unterschiedlich bewertet wird.

Technisch betrachtet haben beide Anbieter ihre Stärken. Microsoft hat in den letzten Jahren stark aufgeholt und bietet eine sehr enge Integration in die Office-Welt. Cisco hingegen überzeugt durch ein offenes Ökosystem, stabile Hardware-Integration und ein durchdachtes Lizenzmodell, bei dem viele Features bereits abgedeckt sind. Auch beim Datenschutz hat Cisco in den letzten Jahren stark nachgelegt – mit BSI-Zertifizierungen und europäischer Datenhaltung.

Am Ende geht es demnach vor allem darum, welche Strategie das Unternehmen verfolgt und welche Anforderungen an Collaboration und Kommunikation tatsächlich bestehen.

Microsoft hat aufgeholt und bietet eine enge Integration in die Office-Welt. Cisco überzeugt durch ein offenes Ökosystem, stabile Hardware-Integration und ein durchdachtes Lizenzmodell.

Cloudmigration in der Praxis

Ein Migrationsprojekt beginnt fast immer mit einer detaillierten Bestandsaufnahme. Welche Systeme sind im Einsatz? Welche Rufnummern, Endgeräte und Sonderfunktionen gibt es? Und welche Drittsysteme hängen noch an der alten Anlage? Gerade in komplexen Umgebungen kann diese Analysephase mehr Zeit beanspruchen als die eigentliche technische Umsetzung.

Im nächsten Schritt wird die neue Umgebung aufgebaut – meist zunächst parallel zum Bestandssystem, um Tests und schrittweise Umstellungen zu ermöglichen. Ein zentrales Element ist hier der Session Border Controller, der als Schnittstelle zwischen der lokalen Infrastruktur und der Cloud dient. Je nach Architektur kann die Telefonie dann über lokale Gateways, zertifizierte Provider oder direkt über den Hersteller angebunden werden. Letzteres ist funktional möglich, aber in der Praxis oft die teuerste Variante.

Der eigentliche Erfolg einer Migration hängt jedoch selten von der Technik ab. Die Umstellung auf Softphones, die Abschaffung von Faxservern oder die Integration von Contact-Center-Lösungen – all das betrifft die tägliche Arbeitsweise. Werden die Key User nicht rechtzeitig eingebunden, kann selbst ein technisch sauberes Projekt auf Akzeptanzprobleme stoßen. Ein offenes Change Management und transparente Kommunikation sind daher genauso wichtig wie eine saubere Architektur.

Ein offenes Change Management und transparente Kommunikation sind genauso wichtig wie eine saubere Architektur.

Fazit

Nach vielen Projekten ist für mich klar: Nicht alles, was technisch möglich ist, sollte auch übernommen werden. Eine Migration ist immer die Chance, Altlasten loszulassen und Systeme zu konsolidieren. Statt jede Sonderlösung „weiterzuschleifen“, lohnt es sich, Prozesse neu zu denken und zu vereinfachen.

Ebenso wichtig ist es, regulatorische und datenschutzrechtliche Fragen frühzeitig zu klären, besonders bei internationalen Projekten. Unterschiedliche Notrufregelungen oder Rufnummernportierungen können schnell zu Stolpersteinen werden, wenn man sie erst im laufenden Projekt betrachtet.

Die Cloudmigration im Bereich Collaboration ist weit mehr als ein technisches Upgrade. Sie ist ein Transformationsprozess, der Strategie, Organisation und Menschen gleichermaßen betrifft. Ob Cisco oder Microsoft – entscheidend ist, dass die Lösung zum Unternehmen passt und nicht umgekehrt.